Walter Schwarz

Eigentlich wollte er in Pflaumheim nicht bleiben

 

Vom Nachkriegsschicksal wurde Walter Schwarz 1946 mit einem Flüchtlings-Transport nach Pflaumheim verschlagen. „Hier bleibe ich nicht“ war seine erste Reaktion, am Rathaus mit seinen Habseligkeiten stehend. Als er im Haus Stegmann eine Frau mit Kindern aufsuchte, die mit ihm nach Pflaumheim gekommen war, sah er zum ersten Mal seine spätere Frau Greta.

Greta war es, die Walters Entschluss, Pflaumheim so schnell wie möglich den Rücken zu kehren ins wanken brachte. Walter Schwarz ging damals öfter in die Rathausstraße und half, wenn in der Stegmann`schen Landwirtschaft ein Helfer gebraucht wurde. Das brachte dem 19jährigen sein tägliches Brot ein, was seiner Zeit Gold wert war.

Der in Spittelgrund im Landkreis Reichenberg (Nordmähren) am 27. Januar 1927 geborene Walter besuchte nach der Volksschule die Bürgerschule (heute Realschule) und wurde in einem Gablonser Unternehmen zum Kaufmann ausgebildet. Gleich nach seiner Lehre musste der 17jährige im Jahre 1944 zum Arbeitsdienst, dann zur Wehrmacht und geriet am 4.April 1945 in russische Gefangenschaft, wie er aus seinen Tagebuchaufzeichnungen noch nachlesen kann.

Noch im gleichen Jahr wurde er von den Russen entlassen (Glück gehabt) und auf seiner Odyssee in Richtung Westen landete er in Pflaumheim. Nach einer Stippvisite daheim folgte er dem Rat seiner Eltern und ging endgültig in den Westen nach Pflaumheim zurück. Seine Angehörigen wurden in die ehemalige DDR ausgesiedelt.

Am 19.April 1948 heiratete er seine Greta. Zwei Söhne und vier Enkel gehören zu dieser Familie. 1949 eröffnete das junge Ehepaar das geschlossene Lebensmittelgeschäft in der Rathausstraß wieder und führten es 40 Jahre lang.

Keine Probleme hatte Walter sich in Pflaumheim einzuleben, er war ein passionierter Fotograf und war Gründungsvorsitzender der Pflaumheimer Film- und Fotofreunden.

Auch bei dem Neuanfang der Pflaumheimer Handballer nach dem Krieg war er dabei und viele Jahre aktiver Sportler. An der Seite seiner Ehefrau Greta ist er längst „Ploimer“ geworden.

Er verstarb am 14. Dezember 1999 und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Pflaumheimer Friedhof beigesetzt.

 

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Text: Lothar Rollmann

Überarbeitet von Herbert Rachor

Bild: Archiv Geschichtsverein

 

 

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