Schicksal geklärt 

Grabplatte eines Pflaumheimer Missionars in Afrika entdeckt

 

Das Grab des ältesten bekannten Pflaumheimer Missionars, Frater Hieronymus Schuler, hat der ehemalige Pflaumheimer Pfarrer Leo Giegerich auf dem Klosterfriedhof Mariannhill in Südafrika entdeckt.

Der 1895 in Afrika gestorbene Ordensmann wurde als Georg Albert Schuler am 29. März 1847 in Pflaumheim geboren. Vom Leben dieses Mannes waren in Pflaumheim bislang nur – etwa Daten – bekannt, die in der Festschrift zum Bestehen der Pflaumheimer Pfarrei 1973 festgehalten sind. So wusste man, dass er in den Orden der Trappisten, ein Reformzweig der Zisterzienser in Afrika, eingetreten war.

Über die Würzburger Mariannhiller war von der Curia Generalizia der Missionari di Mariannhill aus Rom zu erfahren, dass der Landwirt Johann Albert Schuler am 29. Juli 1888 den Trappisten in Mariannhill beigetreten ist und dort den Ordensnamen Hieronymus bekam.

Am 17. September 1890 legte er seine erste Einfache Profess und am 17. Dezember 1893 seine feierliche Ewige Profess ab. Am 20.Januar 1895 ist er, mit noch vier weiteren Ordensmitgliedern, in Mariannhill als Opfer einer Ruhrepidemie im Alter von knapp 48 Jahren gestorben. Er habe sich durch große Busstrenge ausgezeichnet, heißt es in dem Schreiben aus Rom.

Der Entschluss des Johann Albert Schuler, im Alter von 41 Jahren zu den Trappisten nach Afrika zu gehen, kann in etwa nachvollzogen werden, wenn man das Buch des Mariannhiller Missionars Adalbert Ludwig Balling „Der Trommler Gottes“ liest, in dem das Leben des Vorarlbergers Franz Wendelin Pfanner, Abt und Gründer des Trappistenklosters Mariannhill bei Durban in Südafrika, geschildert wird.

Pfanner hatte die Abenteuer geliebt und sei ein Rebell gewesen. Er sei, nachdem er 1869 im damals türkischen Bosnien ein Trappistenkloster gegründet hatte, zehn Jahre später als 56jähriger mit einer Gruppe von 30 Leuten nach Südafrika gegangen.

Er hatte dauernd für seine Idee geworben, so dass ihm immer wieder weitere Gruppen folgten.

Johann Albert Schuler, ein Nachkommen der ab 1700 aus Tirol nach Pflaumheim eingewanderten Schuler-Brüder, hat sich offenbar eines Tages von dem Vorarlberger „Draufgänger“ begeistern lassen und sich einer Gruppe Gleichgesinnter auf dem Weg nach Südafrika angeschlossen.

 

 Copyright 2020 by Geschichtsverein Pflaumheim 2006 e.V.

Lothar Rollmann, Bearbeitet von Herbert Rachor


 

 


 

Bruder Anton Raab gestorben

 

Sein Missionsauftrag ist erfüllt!

Or­dens­bru­der An­ton Ra­ab 82-jährig ge­s­tor­ben.

 

Mit Ordensbruderbruder Anton Raab ist am 6.Mai 2019 ein weiterer aus Pflaumheim stammender Ordensgeistlicher verstorben. Der als drittes von den vier Kindern der Eheleute Adolf und Maria Raab am 25.03.1937 geborene Anton verlebte seine Kindheit in den unruhigen Zeiten von Nationalismus und Krieg. Sein Vater musste im Krieg sein Leben lassen, er ist seit dem 21.06.1944 in Russland vermisst.

Schon als 14-jähriger fand Anton direkt nach der Schulzeit zur Ordensgemeinschaft und wurde Oblade der Makellosen Jungfrau Maria OMI in Hünfeld, dieses 1895 gegründete Bonifatius Kloster, wurde vor allem mit dem Zweck gegründet, Missionare für die Seelsorge in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, auszubilden. Nach der Ausbildung zum Landwirt im klostereigenen Bauernhof wobei er sich auch Kenntnisse für die Reparatur landwirtschaftlicher Maschinen erwarb, wurde er 1954 eingekleidet. Seinen ersten Profess legte er 1955 ab und wurde damit offiziell in die Ordensgemeinschaft aufgenommen. Das ewige Gelübde war am 8. Dezember 1961 zum Fest Mariä Empfängnis. Sein 60-jähriges Ordensjubiläum konnte er 2015 feiern.

 

In die Mission nach Namibia in Südafrika wurde Anton 1965 ausgesandt. Bis 2003 hat er dort 38 Jahre verbracht, wo er seinem Wunsch entsprechend als Missionar wirkte. Nachdem er Land und Leute kennen und lieben gelernt hatte, wurde Südafrika für ihn zur zweiten Heimat. Stets fühlte er sich in all dieser Zeit gebraucht und hat die viele Arbeit stets als seinen missionarischen Auftrag angesehen. „Das war wirklich mein Leben. Ich wurde gebraucht, war akzeptiert und habe die Arbeit gerne getan“, sagte Bruder Anton bei seinem Jubiläum. Zuletzt leitete Bruder Anton für einen franziskanischen Frauenorden eine etwa 1200 Hektar große Farm.

Nach 38 Jahren kehrte er im Jahre 2003 nach Deutschland zurück und lebte im Oblatenkloster in Mainz, wo er die Verantwortung für Garten und Außenanlagen des Klosters übernahm. Hier konnte er sich immer wieder über Besuch aus seiner Heimatgemeinde Pflaumheim freuen.

Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb er nun im Alter von 82 Jahren und wurde begleitet von zahlreichen Familienmitgliedern und Schulfreunden am 10. Mai 2019 im Bonifatius Kloster in Hünfeld zu Grabe getragen.

 

Copyright © 2019 by Geschichtsverein Pflaumheim 2006 e.V.

 

Text: Lothar Rollmann, Herbert Rachor, Bearbeitet von Herbert Rachor

 

 

Ploimer Steinhauer und Maurer

 

Ploimer Steinhauer und Maurer beim Bau des

Nord-Ostsee-Kanals beteiligt

 

Der Nord-Ostsee-Kanal in Deutschland bis 1948 Kaiser-Wilhelm-Kanal verbindet die Nordsee (Elbmündung) mit der Ostsee (Kieler Förde). Der Kanal durchquert auf seiner Länge von knapp 100 Kilometern das Land Schleswig-Holstein zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau. 1886 billigte der Reichstag ein Gesetz zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals und am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm I. in Kiel-Holtenau. Die Fertigstellung des Kanals erlebte Kaiser Wilhelm I. nicht mehr. Am 21. Juni 1895 war es stattdessen sein Enkel Kaiser Wilhelm II., der den Kanal einweihte.

Per Bagger oder Hand wurden mehr als 80 Millionen Kubikmeter Erde ausgehoben. Die Uferböschungen wurden befestigt und riesige Schleusenanlagen an den Endpunkten in Brunsbüttel und Kiel-Holtenau errichtet, um den Kanal vor Wasserstands- Schwankungen durch Ebbe und Flut zu schützen.

Bis zu 8900 Arbeiter bewegten circa 80 Mio. m³ Erdreich. Der Kanal war in dieser ersten Ausbaustufe 67 Meter breit und 9 Meter tief. 156 Millionen Goldmark verschlang der gigantische Bau, zu dessen Finanzierung Kaiser Wilhelm II. rückwirkend die Schaumweinsteuer einführte.

Eingesetzt waren die Handwerker aus Pflaumheim vorwiegend in Brunsbüttel Cook beim Bau der, für damalige Verhältnisse riesigen Schleusenkammern, die mit Natursteinen errichtet wurden.

 

Dieses Bild zeigt ein Bau-Trupp mit überwiegend Pflaumheimer Steinhauern und Maurern.

 

 

Georg Ostheimer, Vitus Hennrich, Simon Zahn, Josef Braun, Josef Zahn, unbek.,

unbek., Leo Braun, Jodukus Hock, Johann Ott, Johann Braun, unbek., unbek.,

unbek., Josef Euler, Christian Schaad, unbek., Adam Kress, unbek., Ingenieur,

Klemens Petermann, August Braun, unbek., Valtin Rollmann, Alois Hock,

Josef Ostheimer, unbek..

 

Die Namen wurden von Juliane Rüttger aufgeschrieben.

 

Copyright © 2019 by Geschichtsverein Pflaumheim 2006 e.V.

 

Herbert Rachor

 

 

Pater Robert Ostheimer verstorben

 

Der Auftrag Gottes ist erfüllt

 

Pflaumheim. Eine traurige Nachricht  erreichte dieser Tage die Bachgaugemeinde und insbesondere die Familie  Ostheimer: Der Missionar,  Pater Robert Ostheimer, ein Schönstatt-Priester, ist am Mittwoch, dem 26. März in São Paulo in Brasilien im Alter von 88 Jahren gestorben. Die Beerdigung fand schon am nächsten Tag um 16 Uhr auf dem Friedhof der Wallfahrtskirche von Jaraqua statt.

Robert Ostheimer wurde am 7. Juni 1930 in Pflaumheim geboren. Er entstammt einer kinderreichen Familie. Von 1942 bis 1950 besuchte er die Oberrealschule in Aschaffenburg und legte dort auch sein Abitur ab. Aktiv wirkte er in den Nachkriegsjahren in der katholischen Jugendarbeit mit und hatte Hauptanteil bei der Erbauung des Jugendheimes in seiner Heimatgemeinde Pflaumheim.

Nach seinem Abitur im Jahre 1950 trat er als Novize in den Pallottinerorden in Untermerzbach, bei Bamberg, ein.  Ab 1953 studierte Pater Ostheimer an der Hochschule des Ordens in Schönstatt, bei Vallendar/Rhein. Im Juli 1954 trat er die große Reise nach Brasilien an, wo er seine  Studien beendete. Am 15. Juli 1956 weihte ihn Bischof Geraldo Jacarezinho in Lodrina/Brasilien zum Priester. Der Neupriester Pater Robert Ostheimer war dann im Januar 1957 eigens von Brasilien in die Heimatgemeide gekommen um dort seine Nachprimiz zu feiern.
Nach einem längeren Urlaub in Deutschland, ging er ein Jahr später wieder nach Brasilien zurück, das ihn fortan bis zu seinem Tod nicht mehr losließ.

Die Sorge um die Ärmsten der Armen  in  den Slumps von Sao Paulo war ihm ein großes Anliegen. So hat er in seiner Heimat einen großen Helfer- und Spenderkreis aufgebaut, um dort helfen zu können, wo die Not am Größten war.

Bei der Trennung der Pallottiner und dem Schönstattwerk am 18. Oktober 1966 entscheidet sich der glühende Marienverehrer für Schönstatt und beginnt mit einem brasilianischen Mitbruder eine Niederlassung der Schönstatt-Patres in Brasilien aufzubauen. Den Aufbau setzte er auch in Wirklichkeit fort indem er zahlreiche Kapellen und Gebäude für die Niederlassung  errichtete.

Pater Roberto  war in dieser Zeit ein „großes Instrument Gottes für den Bau des Schönstattgebietes von Jaraqua und des Exerzitienhauses in der Nachbarschaft“, schreibt ein Mitbruder zum Tod von Robert Ostheimer.

Von den elf aus Pflaumheim stammenden Priestern des 20. Jahrhunderts, ist jetzt nur noch einer am Leben.

  

Copyright © 2019 by Geschichtsverein Pflaumheim 2006 e.V.

 

Text: Lothar Rollmann, Bearbeitet von Herbert Rachor

 


 

Ploimer Auswanderer