Die alte Handwerkskunst „Klöppeln“ erlebt eine Renaissance….

 

Klöppeln gibt es seit dem 16. Jahrhundert mit einer interessanten Geschichte. Nachforschungen ergaben u.a., dass es einst in der Kreishauptmannschaft Zwickau 27 vom Staat beaufsichtigte und unterstützte Spitzenklöppelschulen gab. Diese Schulen wurden im Jahre 1896 von 1303 Schülerinnen besucht. Der damalige gesamte Arbeitsverdienst der Schule betrug 30.177 M 48 Pf., das waren durchschnittlich 23 M 16 Pf. pro Schülerin. Die gesamten Einnahmen beliefen sich auf nur 22.718 M 36 Pf. und die Ausgaben auf 20.717 M 51 Pf. Als Staatsbeihilfen wurden 15.580 M gewährt. Das Gesamtsparguthaben derKlöppelschülerinnen bestand am Schluss des Jahres 1896 in 29.935 M 45 Pf. Außerdem gab es in Schneeberg die Königliche Spitzenklöppelmusterschule. 1907 wurde u.a.  in Tiefenbach eine königliche Klöppelschule gegründet. Die Tiefenbacher Klöppelspitzen waren sogar auf den Weltausstellungen zu sehen. In der ehemaligen Klöppelschule ist heute neben dem Rathaus ein Museum untergebracht. In der Zeit der Automatisierung verdrängten Maschinen teilweise das Kunsthandwerk der handgefertigten Klöppelspitzen, so dass es fast vom Aussterben bedroht war. Dadurch ging viel Wissen verloren. Im Laufe der Jahre wurde dieses alte Handwerk jedoch wiederbelebt und erfreut sich heute auch wieder der wachsenden Wertschätzung. Um es aber zu erhalten, wird dieses sehr zeitintensive Handwerk überwiegend nur noch als Hobby betrieben, da diese handgefertigten Spitzen fast unbezahlbar sind.

 

Warum ist Klöppeln wieder so modern?

 

Alte Handarbeitstechniken sind wieder im Kommen, außerdem ist Klöppeln sehr vielseitig und es können unterschiedliche Materialien verwendet werden. Vielleicht auch aus diesem Grund gibt es seit August 2012 das neue Berufsbild „Textilgestalter im Handwerk – Fachbereich Klöppeln“. Zudem gibt es bereits Überlegungen, das Klöppeln als Angebot in die Schulen zu bringen.Es gibt verschiedene Klöppelspitzenarten, die drei Haupttechniken sind Bänderspitze, Torchon und Cluny. Bekannt sind u.a. noch die Schneeberger und Mailänder Klöppelspitze.       Allgemein gesagt, geschieht das Klöppeln, also das Herstellen von Spitze, nur durch das Drehen und Kreuzen von Fäden, die auf Holzstäbchen gewickelt sind, die sogenannten Klöppel. Man kann aber auch bunte Spitze herstellen und mit verschiedenen Materialien, wie Kupfer, Messing- u. dünnem Edelstahldraht, Seide, Gold oder Leinen, arbeiten. Von Schmuck über Kleidungsstücke bis zu modernen Bildern kann man alles machen. Geklöppelt wird entweder auf der Rolle oder auf einem Flachkissen. Mindestens zwei Paar Klöppel braucht man für einen Flechter, bei größeren Stücken können es schon mal um die 60 Paare und mehr sein, aber eigentlich ist der Klöppelzahl keine Grenze gesetzt. „Klöppel sollten aus Holz sein“, ist die Meinung der meisten Klöpplerinnen, denn mittlerweile gibt es sie auch aus Kunststoff. Als Vorlage dient fast immer ein Klöppelbrief, der das Muster für die Arbeit vorgibt. Manche Klöpplerinnen arbeiten aber auch frei, oder sie zeichnen sich ihre eigenen Klöppelbriefe, was sehr zeitaufwendig ist und auch sehr viel Erfahrung und Geschick erfordert.

Fünf Klöpplerinnen haben 2009 im Bachgau mit dem Klöppeln angefangen und seitdem auch nicht mehr aufgehört. So wurde die Ploimer Klöppelgruppe ins Leben gerufen. Die Klöppelgruppe besteht nun bereits seit knapp 10 Jahren. Sie wurde im Mai 2010 gegründet und im Juni 2011 ist sie dem Geschichtsverein Pflaumheim beigetreten. Inzwischen ist die Gruppe auf 11 Mitglieder angewachsen, darunter sind auch 2 Mädchen im Alter von 11 und 14 Jahren. Hinzuzählen muss man noch 4 Ehepartner, ebenfalls Mitglieder im Geschichtsverein, die die Gruppe bei allen Aktivitäten hilfreich unterstützen.

Das Schöne am Klöppeln ist, dass man dadurch auch viele Kontakte „knüpft“, sogar über die Ortsgrenzen hinaus. Das Projekt „Geist der Freiheit“ in der Kultur-Region Frankfurt/Rhein-Main widmet sich im Jahr 2020 den Zusammenhängen zwischen Kleidung, Freiheit und Identität. Hier geht es auch um Umbrüche in der Geschichte der Mode und der Gesellschaft und um handwerklich-kreative Aspekte in der Gegenwart. Museen, Kommunen, Kultur- und Heimatvereine, Volkshochschulen u. Hochschulen sowie Modeateliers stellen im ersten Halbjahr rund 60 Veranstaltungen vor, zu der auch der von der Gruppe ins Leben gerufene „Ploimer Klöppeltag“ für Großostheim als Veranstaltung mit aufgenommen ist.

 

 

Dieser findet am 08. März 2020 im Haus der Vereine statt und trägt das Motto:

 

 

Impressionen vom Klöppeltag:

 

 

 

 

Copyright 2020 by Geschichtsverein Pflaumheim 2006 e.V.

 

Text und Bilder: Marianne Rollmann

Bearbeitet: Herbert Rachor

 
 

 Altes Handwerk

 

Klöppeln

Dieser Trend treibt es auf die Spitze

 

„Hand Made Spitze“, damit haben früher viele Frauen für einen Hungerlohn, in der Zeit der großen Armut, ihre Familien unterstützt. Die Geschichte rund um dieses Handwerk, es stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert, ist absolut faszinierend. Von der Vielfältigkeit der teilweisen recht komplizierten Muster einer handgeklöppelten Spitze war damals der modische Adel und Klerus gerade zu besessen. Häufig schmückten sie sich damit als Ausdruck für ihr Prestige. Die Industrialisierung brachte im 19. Jahrhundert die Maschinenspitze hervor und machte das ehemalige Luxusgut zu einem erschwinglichen Modeaccessoire. Das veränderte zwar die Wertigkeit der Spitze, doch sie verlor nie ihren Reiz und kam auch nie wirklich aus der Mode. Heute ist ein Brautkleid ohne Spitze kaum denkbar, ebenso findet sie ihre Anwendung bei Abendkleidern, Alltagstextilien und natürlich bei Dessous. Die maschinell hergestellten Spitzen haben dieses alte Handwerk fast aussterben lassen. Aber in der heutigen Zeit haben es sich einige Frauen und sogar auch Männer zum Hobby gemacht und sie versuchen dieses alte Kunsthandwerk wieder neu zu beleben und damit auch der Nachwelt zu erhalten.

Das hat sich auch die Klöppelgruppe des Geschichtsvereins Pflaumheim 2006 e.V. zur Aufgabe gemacht. Nach langer Planung und vielen organisatorischen Stunden konnte Marianne Rollmann, die Leiterin der Klöppelgruppe, am Sonntag, den 17. März 2019 wieder fast 40 Klöpplerinnen im Pflaumheimer  „Haus der Vereine“ zum

 

7. Ploimer Klöppeltag

begrüßen. Die Gruppen kamen dafür extra aus Seligenstadt, Karlstein, Dorfprozelten/ Großheubach, aus dem Odenwald und sogar aus Gochsheim bei Schweinfurt angereist und es war so, als wäre der letzte Klöppeltag, an dem sie zusammengesessen hatten, erst im letzten Monat gewesen.

 


 

Alle genossen einen wundervollen Tag mit Gleichgesinnten, mit Freunden und interessierten Besuchern. Die Stimmung war super!

Auch die Kinderklöppelgruppe „Otzberger Klöppelhexen“ aus dem Odenwald sind immer wieder gerne dabei. Sie brachten wie jedes Jahr eines ihrer großen Werke mit, das sie wie meistens im Vorjahr  auf dem Deutschen Klöppelkongress gemeinsam geklöppelt hatten: Einzelne Bilder oder Motive, die dann zu einem Bild zusammen gefügt werden können (aber auch einzeln ist jedes Teil sehr schön gearbeitet) sind immer ein echter Blickfang. Nicht nur die Besucher sind von diesen Gemeinschaftswerken fasziniert.

Die Ausstellung zeigte den Besuchern, dass nicht nur langweilige weiße Deckchen aus Omas Zeiten geklöppelt werden. Mit modernen bunten Bildern und verschiedenen Motiven zeigte man eine Palette dessen, was geschickte Hände mit Fleiß, Geduld und Fantasie zaubern können. Auch etliche Schmuckstücke aus speziellen Materialien und aus sehr feinem Edelstahldraht waren neben den alten Klöppelmustern zu bestaunen.

Man konnte den Kindern und Frauen beim Klöppeln über die Schultern schauen und es wurden dabei die vielen interessierten Fragen der Besucher gerne beantwortet sowie die unterschiedlichsten Arbeitstechniken erklärt.

Viele der Besucher kamen aus den umliegenden Landkreisen. Sie waren aufgrund der Ankündigung im "Main-Echo“ auf den Klöppeltag aufmerksam geworden. Erstaunt und interessiert, was man alles klöppeln kann, wurden die verschiedenen Werke der Klöpplerinnen in der gemeinsamen Ausstellung in Augenschein genommen. Einige der Besucher haben auch einmal die Klöppel selbst in die Hand genommen und sich mit Hilfestellung der Klöpplerinnen damit sogar einige Zentimeter auf unseren Gast-Klöppelrollen vorgekämpft. Sogar ein junger Mann war eifrig dabei, die Klöppel tanzen zu lassen.

 

 

Den ganzen Tag wurde gemeinsam geklöppelt, Erfahrungen sowie Tipps und Tricks am Klöppelkissen ausgetauscht und nette Gespräche mit den Besuchern geführt.

O-Ton der begeisterten Gastklöpplerinnen: Das war ein gelungenes Event, so einen tollen Tag sollte man öfters machen, schade, dass er schon vorbei ist.

Nun darf man sich auf den nächsten Klöppeltag am 08. März 2020 freuen.

 

Marianne Rollmann

 

 

 

5. Ploimer Klöppeltag

Altes Handwerk wieder entdeckt und neu belebt

 

Der Trend geht wieder zum Selbermachen. Viele alte Techniken erfahren eine ganz neue Wertschätzung. Klöppeln beispielsweise – ein fast in Vergessenheit geratenes, altes und besonderes Kunsthandwerk. Meist waren es textile Spitzen, die in den vergangen Jahrhunderten in dieser Technik hergestellt wurden.  Von den komplizierten Mustern der handgeklöppelten Spitze war damals der modische Adel gerade zu besessen. Häufig schmückten sie sich mit ihm als Ausdruck für ihr Prestige. „Handmade Spitze“ damit haben früher viele Frauen für einen Hungerlohn, in der Zeit der großen Armut,  ihre Familien unterstützt. Die Geschichte, rund um das Handwerk, sie stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert und ist absolut faszinierend. Maschinell hergestellte Spitzen haben dieses Handwerk fast aussterben lassen. In den 1950er Jahren gab es in Deutschland kaum noch aktive Klöpplerinnen. Das Klöppeln hat sich vom Broterwerb zur kreativen Freizeitbeschäftigung und zum Kunsthandwerk gewandelt. Die Vielfalt der Materialien macht es möglich. Die Frauen, die früher durch Klöppeln ein kleines Einkommen mühsam verdient hatten, waren froh dies nicht mehr nötig zu haben, ihre Töchter lernten das Klöppeln nicht mehr. Nur in sehr wenigen der einst zahlreichen Klöppelschulen fand noch Unterricht statt. Es gab zwar vereinzelt Klöppelkünstlerinnen, wie die Hamburgerin Leni Matthaei oder in der Oberpfalz Suse Bernuth. Aber fast überall war das Klöppeln so gut wie ausgestorben. Bis man sich Sorgen um das alte Handwerk machte war es fast zu spät. In manchen Gegenden war auch die letzte Klöpplerin schon gestorben. Dann in den 1970er und 80er Jahren wurde das Klöppeln wieder belebt, nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa. Jetzt klöppelte man nicht mehr aus wirtschaftlicher Not, sondern weil man Zeit für und Lust auf ein interessantes Kunsthandwerk hatte. Anfangs wurden die alten Muster nachgeklöppelt, bald wurden aber auch neue Muster entworfen. In vielen Ländern wurden in diesen Jahren Spitzengilden und Klöppelverbände mit dem Ziel gegründet das alte Kunsthandwerk Klöppeln zu pflegen, zu bewahren, zu erforschen und zu fördern.

 


 

Es gibt mehr als 40 verschiedene Klöppeltechniken. Klöppeln heute ist so viel mehr als Meterware und Deckchen. Allein die Vielfalt der Garne von farbigem Leinen, zu verschiedenster Baumwolle und Seide, bis hin zu Drahtgespinsten (Faden mit Metall umwickelt) und zu richtigem Draht. Es können auch ungewöhnlichere Materialien (Papierbänder, Jute, Federn, Perlen) verarbeitet werden. Der Fantasie sind hier keine fast Grenzen gesetzt. Das macht dieses Handwerk so unwahrscheinlich interessant. 

Außerdem sind diese zarten und filigranen Gebilde ein wunderschöner Blickfang.

Die Herstellung der Handklöppelspitze beruht auf einem systematischen Wechsel von Verdrehen – Verkreuzen – Verknüpfen – Verschlingen der Fäden im Mehrfachsystem. Es gibt Handklöppelspitze in folgenden Varianten: Meterware, Einsätze, Deckchen, Kanten, Schmuckelemente oder Accessoires, in der Mode und in der Bildklöppelei. Grundlage für die Fertigung einer jeden „echten Spitze“ bildet eine Mustervorlage, der sogenannte Klöppelbrief. Der Wert eines Klöppelbriefes liegt in der künstlerischen Gestaltung sowie auch in der mathematischen und geometrischen Berechnung – der Entwurf ist hohe Kunst der Gestaltung. Die meisten Klöppelbriefe stehen im Urheberrecht. Von der Vielzahl der Handklöppler gibt es nur sehr wenige die in der Lage sind selbst neue Muster zu entwerfen und zu entwickeln. Diese Entwürfe sind, und waren stets die Grundvoraussetzung für die Herstellung einer Handklöppelspitze.

Heute geht die handgefertigte Spitze neue Wege. Die Technik blieb, aber die Spitze erfährt eine andere Wertschätzung. Die handgeklöppelten Spitzen finden vielfältigste An-und Verwendung. In der heutigen Zeit haben es sich einige Frauen, und vereinzelt auch Männer, zum ihrem Hobby gemacht und versuchen dieses alte Handwerk wieder neu zu beleben.

 


 

Dies hat sich auch die Klöppelgruppe vom Pflaumheimer Geschichtsverein zur Aufgabe gemacht. Einmal im Monat treffen sich die sieben Klöpplerinnen zu einem Workshop, um fingerfertig die Holzstäbchen die mit feinen Fäden bewickelt sind zu kreuzen, zu drehen, Halbschläge, Formschläge oder Picots zu setzen. Dabei werden auch die eigenen Erfahrungen am Kissen ausgetauscht, so dass nach und nach ein umfassender Fundus an Kniffen und Tricks entsteht. Das Herstellen - das Klöppeln der Spitzen - begeistert bei ihren Ausstellungen, die z.B. an Pfingsten im Gruberhof in Groß Umstadt, Historisches Marktplatzfest in Großostheim, Historisches Erntefest der Dieselschlucker in Johannesberg/Rückersbach und in der Weihnachtszeit natürlich auch in Pflaumheim sind, immer wieder die Besucher.

Klöppeltage keine Eintagsfliege

Die sehr aktive Abteilung des Geschichtsvereins rief 2013 sogar eine ganz neue Art Veranstaltung in dieser Region ins Leben. Dazu konnte Marianne Rollmann, die Leiterin der Klöppelgruppe, nach monatelanger Planung und vielen organisatorischen Stunden am damaligen 1. Ploimer Klöppeltag  38 Klöpplerinnen  im „Haus der Vereine“ begrüßen. Mit  den eingeladenen Gruppen die aus Seligenstadt, Karlstein, Dorfprozelten/Großheubach, dem

Odenwald und aus Gochsheim b. Schweinfurt angereist waren wurde gemeinsam geklöppelt, Erfahrungen sowie Tipps und Tricks am Klöppelkissen ausgetauscht. Die Besucher konnten auch den Schauklöpplerinnen über die Schultern schauen und die Klöppelarbeiten bewundern. Gerne und geduldig wurden die vielen interessierten Fragen der Besucher beantwortet und die unterschiedlichen Arbeitstechniken erklärt. Diese Veranstaltung findet mittlerweile jedes Jahr im März im Haus der Vereine in Pflaumheim statt. 2014 wurden sogar vom hess. Rundfunk Filmaufnahmen gemacht die dann 3 Tage zuvor im TV zu sehen waren.

Inzwischen  rückt der

5. Ploimer Klöppeltag 

immer näher. Er findet am   12. März 2017 von 10.oo bis 18.00 Uhr  in Pflaumheim im Haus der Vereine  (Kirchplatz 1)statt.

An diesem Klöppeltag  zeigen wieder ca. 40 Klöpplerinnen das nicht nur langweilige weiße Deckchen aus Omas Zeiten geklöppelt werden, sondern mit modernen bunten Bildern und verschiedenen Motiven eine Palette dessen entsteht, was geschickte Hände mit Fleiß, Geduld und Fantasie zaubern können. Auf den meist selbstgefertigten Klöppelkissen, wie sie auch im Erzgebirge verwendet werden, sind fantasievolle Muster, die so genannten Klöppelbriefe gesteckt nach denen die Kunstwerke entstehen. Das Hobby rund um die paarweise zugeordneten Holzstäbe kostet viel Zeit. An den Stäben hängen Seide - Leinen- oder Baumwollfäden in scheinbar wirrer Unordnung. Es dauert, bis aus diesem Faden- Chaos ein Spitzendeckchen, Hut, Schal, Bild, Tisch- oder Ansteckschmuck entstanden ist. Sogar eine Kinderklöppelgruppe aus dem Odenwald ist jedes Jahr dabei, sie bringen ihre Werke die sie auf dem Deutschen Klöppelkongress in einer gemeinschaftlichen Arbeit geklöppelt haben mit. Einmal waren es sechs einzelne Bilder 50x50 cm die dann zu einem großen Landschaftsbild  zusammen gefügt wurden, oder aber 12 einzelne  Motivbildern die zusammen gesetzt einen Jahreskalender darstellen bis hin zu einem kreativen Mobile, überraschen sie uns immer wieder mit ihren Ideen. Diese Arbeiten sind immer wieder ein echter Blickfang und nicht nur die Besucher sind von diesen Gemeinschaftswerken fasziniert.

In der Klöppelgruppe selbst gibt es aber keinen Stillstand, voller Tatendrang war sogar ein Teil der Gruppe  schon  wiederholt zur Weiterbildung auf Reisen. Im Sept. 2011 u. 2015 ging es u.a. ins Erzgebirge zu den legendären Annaberger Klöppeltagen. Während  dem 8-tägigen Aufenthalt eignen sie sich neues Wissen und Techniken an. Beim Testen anderer Materialien sind die Klöpplerinnen darauf gekommen, dass sich Edelstahldraht sehr gut für Schmuck und andere Objekte eignet. Viele Schmuckdesigner benutzen auch Metallfäden aus Gold, Silber oder Kupfer zum Fertigen von Schmuckteilen oder kompletten Schmuckstücken in einer Klöppeltechnik. Diese "Erstaunliche Spitze" zu kreieren wurde für sie Motto und Herausforderung. Außerdem sind diese zarten und filigranen Gebilde ein wunderschöner Blickfang. Jede Arbeit ist ein Unikat - das Arbeiten mit ausgefallenen und außergewöhnlichen Materialien erfordert lediglich etwas Kreativität, Vorstellungskraft und Mut. So werden Tischläufer, Schmuckstücke, Kragen, Decken und Spitzen zu Einzelstücken.

 

Text: Marianne Rollmann

Bearbeitet von Herbert Rachor

 

 

Geschickte Handwerker

Erstes Klöppelgruppen-Treffen beim Pflaumheimer Geschichtsverein

 

Mit handgemachter Spitze haben früher in der Zeit der großen Armut viele Frauen für einen Hungerlohn ihre Familien unterstützt. In der heutigen Zeit haben es sich einige Frauen -  und sogar auch Männer  - zum Hobby gemacht und versuchen, dieses alte Handwerk wieder neu zu beleben. 

 

 
 Erfahrungen ausgetauscht: Klöppler von Schweinfurt bis Seligenstadt fachsimpelten beim ersten Klöppelgruppen-Treffen in Pflaumheim.
 
Dies hat sich auch die Klöppelgruppe des Pflaumheimer Geschichtsvereins zur Aufgabe gemacht. Die Geschichte rund um das Handwerk reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Von den komplizierten Mustern der handgeklöppelten Spitze war damals der modische Adel geradezu besessen. Häufig schmückten sich die Herrschaften mit ihm als Ausdruck für ihr Prestige. Maschinell hergestellte Spitzen haben dieses Handwerk fast aussterben lassen. Marianne Rollmann, die Leiterin der Klöppelgruppe, hat jetzt nach monatelanger Planung und vielen organisatorischen Stunden etwa 40 Klöpplerinnen aus nah und fern im Haus der Vereine empfangen.

Der Vorsitzender vom Geschichtsverein Pflaumheim, Robert Hock hielt eine kleine Ansprache und brachte seine Anerkennung über die vielen schönen Handarbeiten zum Ausdruck.

Zu diesem ersten Ploimer Klöppeltag waren Gruppen aus Seligenstadt, Dorfprozelten, Großheubach, Karlstein, Gochsheim bei Schweinfurt sowie aus dem Odenwald angereist. Alle klöppelten gemeinsam, tauschten Erfahrungen aus, gaben einander Tipps und verrieten einige Tricks am Klöppelkissen. Sogar eine Kinderklöppelgruppe aus dem Odenwald war mit dabei. Diese Teilnehmer brachten ihr großes Werk mit, das sie im April auf dem Deutschen Klöppelkongress in Schönsee gemeinsam geklöppelt haben. Sechs einzelne Bilder in der Größe 50 mal 50 Zentimeter, die zu einem Bild zusammen gefügt werden können - aber auch einzeln war jedes Bild sehr schön gearbeitet. Nicht nur die Besucher waren von diesem Gemeinschaftswerk fasziniert.

Die Ausstellung zeigte, dass nicht nur langweilige weiße Deckchen aus Omas Zeiten geklöppelt werden. Mit modernen bunten Bildern und verschiedenen Motiven zeigten die Klöppler, was geschickte Hände mit Fleiß, Geduld und Fantasie zaubern können. Geduldig wurden die vielen Fragen beantwortet und die unterschiedlichen Arbeitstechniken erklärt.
Über die Schultern geschaut

Besucher durften den Kindern und Frauen beim Klöppeln über die Schultern schauen und sich bei Kaffee und Kuchen stärken. Der O-Ton der begeisterten Gastklöpplerinnen war am Ende des Tages: »Das war eine gelungene Veranstaltung - so einen tollen Tag sollten wir nächstes Jahr wieder machen. Schade, dass er schon vorbei ist.«

 

Zahlen und Fakten: Ploimer Klöppelgruppe

Gründungsjahr: 2010
Mitgliederzahl: Sieben Frauen
Leiterin: Marianne Rollmann, Pflaumheim
Aufgabe und Ziel: Die Erhaltung und Wiederbelebung einer fast vergessenen alten Handarbeit.
Aktivitäten: Monatliche Treffen zum gemeinsamen Klöppeln - Gast-Klöppler sind nach vorheriger Anmeldung (da begrenztes Platzangebot) willkommen.
Gemeinsame Ausflüge zu verschiedenen Klöppelevents, Ausstellungen und Messen sowie die Teilnahme an weiterbildenden Kursen.
Ausstellung und Schauklöppeln sind jährlich an Pfingsten in Groß-Umstadt im Gruberhof sowie auf dem Adventsmarkt in Pflaumheim.


Main Echo von 4.07.2013, Bearbeitet von Herbert Rachor

 

Kreative Frauen

Filigrane Handwerkskunst

 

Im Archiv des Pflaumheimer Geschichtsvereins entstehen aus Fäden filigrane Spitzenwerke. Ein leises, vielstimmiges Klappern erfüllt den Archivraum im Haus der Vereine. Obwohl sechs gesellige Damen zusammensitzen, ist kein Wort zu hören. Konzentrierte Stille erfüllt den Raum. Es ist Samstagnachmittag, draußen ist schönstes Wetter und die Damen sitzen vor einer gepolsterten Rolle oder einem flachen Kissen.

 


Konzentrierte Aktion: Marianne Rollmann und Christa Behl beim Klöppeln.

 

Darauf ist ein Muster gesteckt, Nadeln und Fäden hängen daran und unten baumeln kleine, garnumwickelte Holzstäbchen, Klöppel genannt. Diese Klöppel werden in gleichmäßiger Folge hochgenommen, gekreuzt, gedreht oder verknotet - und dann bis zu ihrem nächsten Einsatz zurückgehängt. Höchst filigran und kompliziert wirkt das Ganze. Doch scheinen die Damen der Ploimer Klöppelgruppe genau zu wissen, welcher Faden wann wohin kommt. Angewiesen werden sie vom Klöppelbrief, so heißt das Muster, das auf den Kissen steckt. Wenn es mal nicht weitergeht, helfen sie sich gegenseitig. Aber die Damen wissen, was sie wollen: Klöppeln.

Dem Geschichtsverein angeschlossen

»Wir alle sind mit dem Klöppelvirus infiziert!«, gesteht Marianne Rollmann. Die 54-jährige Pflaumheimerin ist die Leiterin der Gruppe, die sich am 8. Mai 2010 gegründet hat. Zunächst haben sie sich in ihrer Wohnung getroffen, später hat sich die Gruppe dem Geschichtsverein Pflaumheim angeschlossen und konnte mit in das "Haus der Vereine" einziehen.

Filigranes Handwerk aus Italien

Keine der Frauen klöppelt schon länger als drei Jahre. Fast alle haben bei Volkshochschulkursen ihre ersten Versuche gemacht. »Es ist ein entspannendes Hobby, das einen völlig einnimmt«, sagt Margaretha Rollmann. Christa Behl hat sich an einen Hut gewagt. Vor ihr aufgespannt liegt die Krempe. Sie wächst jeden Tag fünf Zentimeter, erklärt die Großostheimerin.

 

Verknotungsgefahr gebannt: Ursula Ott (links) ist noch nicht lange dabei. Marianne Rollmann zeigt ihr, wie es weiter geht. 


Ursula Ott ist ganz neu dabei, sie beginnt mit einer Borte für ein Lesezeichen mit einfachem Muster. Neben ihr sitzt die mit 75 Jahren älteste Klöpplerin der Gruppe: Wilfriede Humann aus Stockstadt. Sie hilft Ott über die üblichen Startschwierigkeiten hinweg. Die meisten haben eine Mappe vor sich liegen, darin bewahren sie ihre Klöppelarbeiten auf. »So können wir sie beim Schauklöppeln oder Ausstellungen besser präsentieren, ohne dass die schmutzempfindlichen Garngebilde Schaden nehmen«, erklärt Doris Stein aus Hösbach. Immerhin beleben die sechs Damen ein altes Kunsthandwerk aus dem 16. Jahrhundert. Vor allem die Kleidung der Hochadeligen und Reichen wurden damals mit Spitze verziert. Ursprünglich kommt das filigrane Handwerk aus Italien, weiß Ingrid Himmelheber aus Groß-Umstadt zu berichten. Angeblich sollen die Franzosen italienische Klöpplerinnen entführt haben, damit sie den Reichen Spitze an die Kleidung klöppeln. Heute sind Klöppelarbeiten unbezahlbar. Viel zu lange dauert es, bis ein Stück Borte, eine Hutkrempe oder ein Deckchen fertig gestellt sind. Bis zu acht Stunden sitzen die Damen täglich am Klöppelkissen - natürlich nur aus Liebhaberei und Spaß an der Sache, betont Rollmann. »Ich kann nichts verkaufen. An Leute, die ich sehr mag und die die Klöppelarbeit schätzen, verschenke ich das ein oder andere Teil.« Dass man mit Klöppeln auch moderne Kunstwerke fertigen kann, beweist Angelika Schmidt aus Kahl, die an diesem Tag zu Gast ist. Als sie ihr modernes Werk auf einem Schiebkissen präsentiert, stehen schnell alle im Kreis drum herum. Eine Weste soll es werden, sagt die erfahrene Klöpplerin. Alles, auch das Muster, ist selbst entworfen. Die Schläge sind einfach gehalten, dafür beeindrucken die verschiedenen Garne. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein, feine dicke, grobe und raue, weiche Garne wechseln sich ab. Alles wird optisch zusammengehalten durch die Farbgebung ins Gelbliche. Schmidt fertigt die Weste im Rahmen des Workshops »Spitzenkleidung«, ein dreijähriges Projekt des deutschen Klöppelverbandes. »Man kann auch mit Draht oder Rinde klöppeln, das gibt ganz besondere Effekte und sieht ganz anders aus als die traditionelle Spitzenborte«, erklärt sie den staunenden Damen.

Mehrere Stücke gleichzeitig

Wenn man bedenkt, dass Klöpplerinnen mit bis zu 156 Klöppeln mit dazugehörigen Fäden arbeiten, ist die Verknotungsgefahr allgegenwärtig. Es passiert immer mal wieder, dass die eine oder andere nicht weiterkommt. Dafür haben die findigen Damen zwei Lösungen. »Wir fangen immer mehrere Stücke gleichzeitig an, wenn man bei einem nicht mehr weiter weiß, dann kann man es weglegen und erst einmal etwas anderes machen.« Oft fällt es mit ein wenig Abstand viel leichter, den Faden wieder zu finden. Geht es auch nach langer Pause nicht, nutzen die Frauen ihre monatlichen Treffen, um sich über Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. »Eine weiß immer eine Lösung«, sind sie sich einig. So kommen sie gemeinsam weiter und haben Spaß bei der Arbeit, denn »Klöppeln verbindet nicht nur Fäden, sondern auch Menschen«, findet Marianne Rollmann.

 

Text und Bilder: Petra Kriechel, bearbeitet von Herbert Rachor

 

 
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